Review : Das 60 Jahre Jubiläum der potentesten Sektion der Zofingia
Tobinia san
gallensis vivat, crescant, floreat!
Jubiläumsbericht von
Lukas Horat v/o Pozihai
Am 30. März
2012 um halb acht war es soweit. Nach einer Vorbereitungsphase, die sich über
18 Monate erstreckte und Mühsal, Schweiss, Tränen und Blut abverlangte, war die
Zofingia HSG bereit, ihr 60 jähriges Bestehen mit einem Jubiläumswochenende zu
feiern. 87 Harasse des wahrscheinlich besten Bieres der Welt und ein St. Galler
Pfalzkeller, geschmückt in strahlendem Rot-Weiss-Rot, warteten auf die Gäste.
Und diese liessen sich nicht lumpen. So zahlreich erschienen sie, dass sie den
für 200 Personen vorbereiteten Saal zwischenzeitlich zu sprengen drohten.
Lautstark erklang der Zofingermarsch und im Stechschritt kamen mit der A.V.
Amicitia San Gallensis, Kybelia, Notkeriana und Steinacher die
Studentenverbindungen der Uni St. Gallen hineingeschritten. Der anfangs
verhaltene Applaus erstarkte beim Einmarsch des aktuellen CAUS (angeführt vom
trinkfreudigen Poppstar) und kulminierte beim Erscheinen der amtierenden
Commission der Zofingia HSG. Bora Flora, X der Zofingia HSG, eröffnete den Festcommers
im Pfalzkeller formell und militärisch und überbrachte der versammelten Corona
und den Ehrengäste die Grussworte. Mit fortschreitender Zeit (und der getrunkenen
Biermenge) stieg die Stimmung und der Anlass erreichte die gewohnt
zofingerische Lockerheit. Gespannt lauschte man den Ausführungen von Ständerätin
und Regierungspräsidentin Karin Keller-Sutter. Vor allem die Tatsache, dass sie
in ihrer Gymizeit heimlich einer Männerverbindung angehörte, schaffte die
Corona zu erheitern. Auch Prorektorin Ulrike Landfester, ihres Zeichens Ehefrau
unseres AZ No-mal und bekannt für ihre tatkräftige Unterstützung bei
coleurischen Anliegen an der Universität, konnte mit ihren geschwungenen Worten
ebenfalls begeistern. Zwischen den Reden fand sich genügend Zeit für das Singen
eines Cantus’ (aus den eigens hergestellten Jubiläum-Cantusprügel), für ein
interessantes Gespräch mit einem AZ, Zofingern aus anderer Sektionen, anderen
Coleurikern oder einem der zahlreich anwesenden Ehrengäste, wie z. B. Oberst i
Gst Christoph Pfister v/o Abzug, Kommandant Stv. Territorialregion 4. Nach der
„La Messe“ im Klosterhof ging die Feier für die trinkwütigen Zofinger und Gäste
im Rüumli weiter.
Kaum ins Bett gesunken ertönte schon wieder der Wecker. Vor
dem Höhepunkt des 60 Jahre Zofingia HSG Jubiläum bot sich mit der
Mastergraduation die Gelegenheit, schon am Nachmittag einen Apéro zu geniessen.
Unter der Begleitung einer lauthals singenden Zofingerbande und flankiert von
Streifenwagen mit Blaulicht wurden Ferdy, Iisbrecher, Zack, Carassius und Bonaparte,
die diesjährigen zofingerischen Masterabsolventen, im Postauto von der
Universität vorbei an den staunenden Leuten am Marktplatz ins Fonduebeizli
geleitet. Nach Weisswürsten, Brezel und mehreren überaus würdigen
Masterproduktionen mussten nur noch die Besen abgeholt werden: Einer
rauschenden Ballnacht stand nichts mehr im Wege.
Das ehrwürdige Hotel Einstein strahlte für einmal in rot-weiss-rot
und empfing die Zofinger und ihrer mehrheitlich adretten Begleitungen (die
Ausnahmen sind der Redaktion bekannt) mit sanften Klängen der Band Alalumusic zu einem wahrhaft süffigen Apéro. Schon
bald aber rief Shamal, Präsident der Jubiläumscommission und Ballführer des
Abends, zu Tische. Die Variation vom geräucherten Sockeye Wildlachs, die
äussert schaumige Selleriesuppe (speziell für Zofinger mit Würfel vom St. Galler
Schüblig durchsetzt), das Roastbeef vom Schrofenhof und das Duo von der
Bitterschokolade waren kulinarische Träume und erwiesen sich als würdiges Mahl
für die potenteste Sektion der Zofingia. Unterhalten wurde unter anderem mit
einer Live-Verlosung eines Segelfluges. Die Glücksfee und Pilotin Bierluscona [Bierlusconi
mit schönen blonden Haaren und Pilotenbrille], das erste Mal mit einer
anständigen Frisur erschienen, war fürs Ziehen des Loses zuständig – Dibi Däbi,
herzliche Gratulation! Für Tränen in den Augen und teilweise nasse Hosen
sorgten Tschaatschn, Manta Manta, Milch-Leu, Troubadix, Soz-Jus! und Diva mit
einer für die Zofingia HSG üblich hochklassigen (und selbstverständlich primitiven)
Fuxenproduktion, welche von den wichtigsten Epochen der Menschheit von der
Steinzeit bis zur Gründung der Zofingia HSG 1952 handelte.
Um Mitternacht verschob sich das ganze Gelage nach draussen auf
den Gallusplatz und pünktlich zum zwölften Glockenschlag der St. Galler
Kathedrale wurde „La messe“ angestimmt. Mittlerweile kursiert das Gerücht, die
„La Messe“ des St. Galler Jubiläums soll grösser als diejenige am Centralfest
gewesen sein, was sich wohl anfangs Mai noch erhärten lässt. Anschliessend
amüsierte man sich bei kühlen Drinks weiter und manch ein Ballpaar schwang noch
das Tanzbein zu den Klängen von DJ Pat Barista, der aus dem Foyer des Einsteins
eine regelrechte Tanzfläche zauberte. Vereinzelte Kandidaten nutzte die Gunst
der Stunde und liess sich einen neuen, gewöhnungsbedürftigen Haarschnitt
verpassen. Die ganze Feier wurde durch die aufgehende Morgensonne beendet.
Doch ein echter HSG Zofinger macht auch nach zwei Tagen Vollgas
nicht schlapp. Schon gar nicht, wenn das Restaurant Scheitlinsbüchel mit Olma
Bratwurst, Salatbuffet und anderen zofingerischen Freuden lockt. So
versammelten sich eine anschauliche Anzahl hartgesottener Zofinger, um das unglaublichste
Wochenende in der Zofingergeschichte gebührend ausklingen zu lassen. Die
anfangs als genial anmutende Idee von Calanda und den übliche Verdächtigen, das
Bierbudget mit todesmutigem Hinunterstürzen von etlichen Stangen zu sprengen,
entpuppte sich schliesslich als Kampf gegen Windmühlen. Zumindest fanden alle
Beteiligten die Klugheit im Glase. Bis kurz vor sieben wurde noch in der Gartenlaube
weiter „gehöckelt“, getrunken, geschwatzt und ab und zu ein Bierstreit mit Diva
(der mit unbändigem Kampfeswillen alle Bierstreite souverän verlor)
ausgetragen. Und ein Gedanken hatten alle im Kopf: Dieses Wochenende werden wir
solange nicht vergessen. Vivat, crescat, floreat, tobinia san gallensis!




